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Neue Musikzeitung Ausgabe Juli 06
Zurück zum unverkrampften Spiel
Die
Kammeroper München – ein Erfolgsrezept
Bei der Oper
hört nicht selten der Spaß auf. Es scheint, als würden
die großen Opernhäuser ihren 400-jährigen Ballast
in jeder Neuinszenierung abladen. Das Spiel, die gewitzte Aktion
geht Baden und wird der voluminösen Ausbreitung der Stimmen
und Stars geopfert. Die Verzahnung von Szene und Musik bleibt auf
der Strecke. Langeweile gehört zum Gepäck (zugegeben:
Das ist etwas pauschal, aber wie häufig erlebt man Musiktheaterregie,
die nicht mit der Musik arbeitet, sondern sich allein deutend,
psychologisierend oder einfach im Konventionellen verharrend danebenstellt).
Das muss nicht so sein, meint seit einigen Jahren die Kammeroper
München. Ihr Konzept ist ebenso einfach wie schlagend. Man
fährt die Oper zurück auf ihre Ausgangsbedingungen und
entwickelt von hier aus neue, griffige, punktgenaue und vor allem
stets vergnügliche Konstellationen. Reduzierung auf die wesentlichen
Punkte ist das Prinzip (man hat im Münchner Kulturzentrum
Pasinger Fabik begonnen; die Bezeichnung als „Münchens
kleinstes Opernhaus“ wird mit Stolz vorgewiesen).
Das fängt
beim Orchester an, das solistisch besetzt ist und in der Regel
mit einem Streichquintett und circa vier Bläsern (plus eventuell
ein Cembalo) auskommt. Die Sänger sind jung, unverbraucht,
kommen von der Hochschule, dem Konservatorium oder der Bayerischen
Theaterakademie. Das macht Liebes- und Eifersuchtsszenen auf ganz
natürliche Weise verständlich.
Wenn man sieht, mit welch
jungen Sängerinnen und Sängern Mozart zusammenarbeitete,
dann versteht man (ein 50-jähriger Tamino, eine nur wenig
jüngere Papagena, da kann sich die Regie noch so biegen, es
bleibt ein Rest von Lächerlichkeit). Und jetzt kann
man wirklich zu spielen beginnen. Die Statik, die oft auf großen
Bühnen herrscht, ist im Grunde eine Beleidigung der Musik. Denn
jeder Komponist, am intensivsten wohl Mozart, hat jede Geste, jede
Bewegung, jede Stimmungsverschiebung musikalisch mitgedacht.
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Das genaue Timing,
auch wenn es den Begriff damals nicht gab, spielt eine fundamentale
Rolle. Die Oper als flexibles Gerüst zwischen Geste, Wort
und Musik rückt in alte Rechte.
Freilich muss hier auch die
eigene Kreativität einsetzen und Dominik Wilgenbus, der in
vielen Produktionen der Kammeroper München für Textfassung
(intelligent und treffsicher) und Regie verantwortlich zeichnete,
versteht es immer wieder, ein Feuerwerk an Ideen, die eng mit den
Aktionen der Musiker korrelieren, zu zünden. Auf einmal erscheint
Oper entkrampft, schnell und quicklebendig und wird in ihren Basisbedingungen
neu verstanden.
Inzwischen hat sich eine große Fangemeinde
entwickelt, bei der ein anderes, wohl genaueres Opernbewusstsein
existiert, als dies in den Stätten der gehobenen Begegnung
der Fall ist. Das tut gut, denn die Oper stellt sich offensiv der
Frage nach ihrer Berechtigung und gibt triftige Antworten. Denn
das „unmögliche Kunstwerk“ muss immer wieder durch
aktive Tat auf allen, eng aufeinander abgestimmten Ebenen seine
Möglichkeit neu erringen. Nicht über Gags, die sich blöde über
die Sache erheben, sondern über eine neue Form von liebender
und achtender Hinwendung.
Die in der Regel begeisterten Kritiken
liefern den Beweis. Man erlebt nicht Oper auf einem ironischen
Abstellgleis, sondern wird unversehens ins Zentrum des Geschehens
gerückt: genussvoll, heiter, tief. Und die Qualität von
musikalischer Darbietung, Regie und vor allem gesanglicher Präsenz
unterstreichen dies.
Gewiss: Eine zu ihren Wurzeln zurückkehrende
Oper ist kein Modell ihrer Rettung. Aber es ist das heute notwenige
Regulativ vor ihrer Erstarrung.
Werke von Haydn, Mozart, Rossini,
Donizetti, Strauß, Smetana und anderen wurden bisher aufgeführt.
Jetzt gibt es im August (21., 22., 23., 27.) im Schloss Nymphenburg
Domenico Cimarosas „Die heimliche Ehe“. Wieder zeichnet
Dominik Wilgenbus für Text und Regie verantwortlich, Martin
Hannus ist der musikalische Leiter, das musikalische Arrangement
liegt in den bewährten Händen von Alexander Krampe. Mit
Vergnügens- und Erhellungsgarantie.
Reinhard Schulz
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Artikel aus dem Focus
14/2002
KLASSIK
Dreigroschen Au-pair
Kleine Off-Bühnen stemmen großes Musiktheater - mit
Erfolg. Junge Künstler singen kostenlos, um für die
Profikarriere zu üben.
Ein Zeichen vom Leibdiener genügt,
und alle Untertanen jubeln voller Begeisterung. Bassa Selim
lebe hoch! Hoch! Hoch! Hoch! Die Untertänigsten an
den Bistrotischen schwenkenden türkischen Fahnen, erheben
die Gläser, huldigen dem Herrscher mit Verbeugungen.
Nur wenige trauen sich zu kichern, als der Pascha den Saal durchmessen
hat und beim Betreten der Bühne fast strauchelt. Doch das
Gelächter geht im mächtigen Gesang des Ober-Osmanen
völlig unter. So viel Interaktion zwischen Bühne und
Publikum gab es in München schon lange nicht mehr während
der Ouvertüre zu Mozarts Entführung aus dem Serail.
Der inszenierte Jubel trägt sich natürlich nicht in
der ehrwürdigen Bayerischen Staatsoper zu, sondern in einer
ehemaligen Fabrikhalle am Pasinger Bahnhof. Der firmiert mittlerweile
stolz als Münchens kleinstes Opernhaus. Doch
klein kommt ganz groß an.
Mit dieser Einlage haben wir uns den Chor der Janitscharen
gespart und das Publikum gleich für uns eingenommen,
frohlockt Produktionsleiter Markus Wörl. Damit bringt er
das Erfolgsrezept deutscher Off-Opern auf den Punkt: Aus chronischer
Geld- und Personalnot machen unabhängige Musiktheaterbühnen
landauf, landab eine Tugend, indem sie zu unkonventionellen Mitteln
greifen.
Das Ergebnis sind unverkrampfte, publikumsnahe Inszenierungen
auf meist hohem sängerischen Niveau, dafür jedoch in
inszenatorisch abgespeckter Version. Der Mozart-Klassiker im Münchner
Vorstadttheater wird in zwei statt der tatsächlichen drei
Akte aufgeführt. Gerade mal acht Musiker ersetzen das Orchester
und spielen eine Kammerversion der Partitur.
Das Publikum ist begeistert, sitzt ohne trennenden Orchestergraben
direkt an der Bühne und bekommt in der Pause Lammtopf
Osmin, passend zum orientalischen Sujet. Den Besuchern
gefällt vor allem die Nähe zu den Darstellern,
sagt Wörl.
In Zeiten knapper Kulturetats und eines Überangebots an ausgebildeten
Sängern und Musikern sind deutschlandweit fast ein Dutzend
freie Operngruppen entstanden. Meist ohne staatliche Subventionen,
aber mit viel Enthusiasmus.
Im Gegensatz zur unüberschaubaren Theaterszene war Oper lange
nur an den großen Staats- und Stadttheatern denkbar. Weil
nur sie eine herkömmliche Opernproduktion mit dem Riesentross
von Sängern, Musikern, Bühnenarbeitern finanzieren können.
Der Bayerischen Staatsoper beispielsweise
stehen jährlich fast 50 Millionen Euro zur Verfügung.
Von solchen Summen kann die Off-Szene nur träumen. Dort arbeiten
die meisten ehrenamtlich, sprich honorarfrei.
Knappe Fördermittel, Einnahmen aus Eintrittspreisen und Sponsorenspenden
ermöglichen Etats zwischen 15.000 und 80.000 Euro. Wie da
solide Inszenierungen überhaupt zu Stande kommen?
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Durch gnadenlose Selbstausbeutung und viel Idealismus,
sagt Klaus Simon, der vor neun Jahren die Young Opera Company
Freiburg (YOC) gegründet hat. Um die Kosten gering zu halten,
stellt das kleine Freiburger Team für die einzelnen Projekte
neue Ensembles aus freischaffenden Künstlern und Studenten
zusammen. So hat die YOC immerhin fünf originelle Inszenierungen
zu Wege gebracht. Darunter Benjamin Brittens The Rape of
Lucretia und zu letzt Wolfgang Rihms Jakob Lenz.
KULTUR
Sponsoren zu gewinnen fällt dem
gelernten Musiker Simon schwer: Ich verstehe eben mehr vom
Musizieren als vom Organisieren. Ein sicheres Händchen
für Sponsoren beweist dagegen Benjamin von Blomberg, 23.
Der umtriebene Jungmanager, der vor zwei Jahren den Verein Evviva
La Diva gegründet hat, mobilisierte für das erste
Projekt Theatertote gleich mehrere namhafte Finanziers.
Ich habe aber auch eineinhalb Jahrelang beständig
nachgefragt, immer wieder angeklopft, berichtet der Betriebswirtschafts-
und Musikstudent.
Sein Konzept, eine Oper frei zu produzieren und als Gastspiel
bei Festivals anzubieten, ging auf. So fanden die Proben zu Theatertote,
einer umgeschriebenen Fassung von Donizettis Komödie Le
convenienze ed inconvienze teatrali, in einer Scheune auf
Schloss Wanzleben in Sachsen-Anhalt statt. Das Anwesen hatte der
kunstsinnige Schlossherr für vier Wochen zur Verfügung
gestellt.
Später ging die Truppe auf Tour. Die Parodie auf den Opernbetrieb
kam vor allem bei jungem Publikum gut an. Wir hatten uns
gefragt, warum unsere Generation Oper so uncool findet,
erklärt der Selfmade-Intendant, dabei muss das überhaupt
nicht verstaubt und verkrustet sein.
Diese Ansicht teilt auch Sängerin
Esther Hilsberg, 26. Vor fünf Jahren hat sie zusammen mit
Schwester und Dirigentin Inga, 29, die junge
Kammeroper Köln gegründet. Anders als die meisten
Off-Initiativen führt ihre Mannschaft gängige Repertoire-Klassiker
wie Mozarts Cosi fan tutte oder Strauß Die
Fledermaus auf. Entstaubt und frisch inszeniert.
Die Initiative will vor allem den Nachwuchs fördern. Wir
verstehen uns als Brücke zwischen Studium und festem Engagement.
Bei uns können junge Sänger in den großen Partien
Erfahrungen sammeln, sagt Esther Hilsberg.
Von der Headhunter-Funktion der Off-Avantgarde können auch
die etablierten großen Häuser profitieren. Bei unabhängigen
Compagnien wie der Kölner Kammeroper erreichen junge Sänger
und Künstler professionelles Niveau, gerade weil an den kleinen
Bühnen öfter auch mal etwas schief läuft. Aus Fehlern
lernt schließlich noch der ausgebuffteste Profi.
Um die Zukunft der Off-Opern ist Esther Hilsberg deshalb nicht
bange: In den Köpfen wird sich schon festsetzen, dass
es neben dem Althergebrachten noch was anderes gibt. Prinz
Orlofsky lebe hoch. Die Fledermaus! Hoch! Hoch! Hoch! |
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Artikel aus der Süddeutschen
Zeitung
Der Selbermacher
Tausendsassa Dominik Wilgenbus inszeniert
Humperdincks Märchenoper "Hänsel und Gretel"
in der Pasinger Fabrik.
Eben noch ruhte Dominik
Wilgenbus in einem Stuhl vor der Bühne, die Hände gefaltet
wie zu einem Gebet, doch jetzt hält ihn nichts mehr zurück.
Mit einem Satz ist er auf der Rampe, wo Hänsel und Gretel
respektive Franziska Rabl und Anna Silvia Lilienfeld singend herumhopsen,
sie mit mädchenhafter Anmut, das Brüderchen hölzern
wie eine Gliederpuppe.
Aber Hänsel will ja nicht wirklich tanzen. Will nur die Gretel
ablenken, um an den Reisbrei heranzukommen. "Reisbrei, Reisbrei,
herrlicher Brei! Gibt's Reisbrei, da ist Hänsel dabei."
So sieht's aus, und wie Hänsel, ach wo: wie Franziska Rabl
das spielt, ist schwer in Ordnung - denkt man. Doch jetzt rauscht
Wilgenbus heran, klatscht ab, Ende der Szene. War doch nicht alles
in Ordnung. Da war ja noch ein Rest Grazie in Hänsels Tanz,
der hat da nichts verloren. Ein tänzerisches Debakel möchte
Wilgenbus sehen, und damit kein Zweifel aufkommt, führt er
die Sache gleich selbst vor: tapst herum wie ein Tanzbär,
die Nase Richtung Reisbrei und stolz deklamierend: "Gell,
das kann ich sehr gut." Gelächter. Dies ist der Moment,
wo man wünscht, er möge den Hänsel gleich selber
spielen.
Wilgenbus ist Regisseur, jedenfalls hauptsächlich. In diesen
Tagen, die so grau sind und gottlob kurz, inszeniert er in der
Pasinger Fabrik Humperdincks Märchenoper "Hänsel und
Gretel". Wenn er nicht gerade auf die Bühne stürzt,
sitzt er da wie ein weiser Buddha, dem das Gewusel von hektischen
Requisiteuren und frisch kostümierten Sopranistinnen nichts
anhaben kann. Und gelegentlich demonstriert der Buddha überlegene
Weisheit: "Das ist ´ne Achtelnote, nichts sonst",
mahnt er Mezzosopranistin Michaela Knab, die die Mutter gibt.
Woher weiß er das? Er hat keine Partitur vor sich, kein
Libretto, nicht mal ein Blatt mit Notizen. Braucht er nicht. Er
hat die Partitur im Kopf, und notfalls setzt er sich ans Klavier
und spielt.
Später, im Café, erinnert sich Wilgenbus, enthusiasmiert
von einem Stück Käsesahnetorte, an seine erste Regiearbeit.
Das war 1976. Während seine Altersgenossen Kinderplatten
hörten, lauschte der zehnjährige Dominik Opernaufnahmen
mit einer Begeisterung, die den Eltern allmählich Sorgen
bereitete. Sogar Wagner mochte er, und eines Tages inszenierte
Dominik mit dem Rittersortiment von Playmobil den zweiten Akt
der "Meistersinger" in seiner Kinderstube. Mangels Orchester
begleitete eine Schallplatte die Aufführung. Wäre er
nicht mit der Regie beschäftigt gewesen, hätte er auch
selbst zum Instrument greifen können: Klavier spielte er
schon, auch Blockflöte und Glockenspiel, Cello und Oboe sollten
noch hinzukommen.
Vielleicht war er ja doch ein wenig aus der Art geschlagen, der
Sohn eines Elektroingenieurs aus Borken, der im Sommer den Ferien
an der Ostsee entgegenfieberte, weil die Familie dort den jährlichen
Opernbesuch unternahm. Mit "Carmen" hat es angefangen,
"ich weiß noch das Bauchkribbeln während der Aufführung".
Im Gymnasium drängte es ihn, den "Faust" nicht nur
zu lesen, sondern unverzüglich aufzuführen, mit Wilgenbus
als Mephisto natürlich.
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Da zeichnete sich schon ab, dass er bald in eine Zwickmühle geraten
würde: Musik oder Theater?
Als die Zeit gekommen war, bewarb sich Wilgenbus für die
Dirigenten-, Schauspieler- und Regisseur-Laufbahn. Merkwürdigerweise
waren seine Darstellungskünste weniger gefragt, aber mit
dem Dirigieren hätte es geklappt. Und doch entschied er ich
für das Regie-Studium. In München. Bei August Everding.
Übrigens hat Wilgenbus für
den Verzehr seiner Käsesahnetorte eine halbe Stunde gebraucht,
weil er vor lauter Reden kaum zum Essen gekommen ist. Er kann
wunderbar vom Theater erzählen, so hinreißend, dass
man rasch mit dem Gedanken spielt, ihn um einen Job als Kulissenschieber
zu bitten. Was zum Beispiel war das für ein Spaß, als
er vor einem Jahr Johanna Spyris Alpenmelodram "Heidi"
als Musical darbot: Wilgenbus, der die Texte schreiben sollte,
kam ewig nicht voran. Folglich geriet Komponist H.C. Myla in Verzug.
Hilfsweise komponierten Wilgenbus und einer der Sänger die
fehlenden Songs, und "bis zur Generalprobe haben wir gedacht,
das wird der größte Scheiß aller Zeiten".
Es wurde dann eine fabelhafte Aufführung in typisch Wilgenbus´scher
Manier: Ein riskantes Jonglieren mit diversen Stilelementen, das
die Lust am Grotesken und Aberwitzigen zelebriert und dabei entgegen
aller Logik im Takt bleibt, spielerisch, witzig, mit leichter
Hand in Szene gesetzt.
"Ich hab' kein Interesse an Inszenierungen, die die Geschichte
nicht erzählen, sondern interpretieren", sagt er. "Das
ist, als könnten manche Regisseure ihren Beruf nicht akzeptieren.
Ich muss mich nicht wichtig machen, indem ich mich zwischen die
Zuschauer und die Geschichte schiebe." Geschichtenerzähler
- nichts anderes sollte man sein als Regisseur. "Und wenn
es sehr gut werden soll, muss es auch das Risiko bergen, dass
man auf die Fresse fliegt." 1993 am Gärtnerplatz-Theater
ist ihm das passiert. Seine Inszenierung der Rossini-Oper "Diebische
Elster" wurde von der Kritik nach allen Regeln der Kunst
zerzaust.
Über den Flop plaudert Wilgenbus genauso entspannt wie über
die Schmähungen, die das Innsbrucker Publikum auf seine Version
Der Johann-Strauß-Operette "Eine Nacht in Venedig"
abließ. "'Unsere heilige Kuh, die Operette, schlachtet
ihr nicht', riefen die. Und ich hab sie geschlachtet. Wilgenbus
liebt es zu experimentieren, und als freier Regisseur, so meint
er, könne man eher Neues ausprobieren. "Ich find' das
schön: Herumfahren und die Städte kennen lernen."
Dann inszenierte er "La Bohème" in Dortmund und
"Black Rider" in Meiningen, "Wiener Blut"
in Klagenfurt und Tom Johnsons sperrige "Riemannoper"
in Ulm. Zurück in München, stellt er Shakespeares "Pericles"
auf die Seebühne, trällert als Alleinunterhalter Schlager
der zwanziger Jahre und knüpft sich in einer One-Man-Show
Richard Wagner vor, dessen mediokre frühere Klavierwerke
er ebenso gnadenlos zu Gehör bringt wie eine peinliche Novelle
des Meisters.
"Ich kann mich bis heute nicht auf eine Sache beschränken."
Versteht sich, dass er auch als Übersetzer tätig wird,
wenn er etwa nach der Lektüre des deutschen Librettos von
"La Cenerentola" zu dem Schluss kommt: "Welcher
faule Hund war denn da am Werk!" Seine Cenerentola in der
Pasinger Fabrik war dann wirklich furios. Wenn man nicht alles
selber macht! Könnte von Wilgenbus sein, der Satz. |
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